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Sa., 22. Apr.

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Adliswil

Rockinˋ Chair

Wenn die Aargauer Zeitung über «rockin’ chair’s» CD «have a seat» schreibt, dass hier die Post abgehe, dann ist dem zu widersprechen – denke ich an das etwas durchzogene Image, dass die PTT in der Öffentlichkeit geniessen. Bei «rocking chair» gibt’s tatsächlich «value for money».

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Rockinˋ Chair
Rockinˋ Chair

Zeit & Ort

22. Apr. 2023, 21:00

Adliswil, Webereistrasse 49, 8134 Adliswil, Schweiz

Über die Veranstaltung

Wenn die Aargauer Zeitung über «rockin’ chair’s» CD «have a seat» schreibt, dass hier die Post abgehe, dann ist dem zu widersprechen – denke ich an das etwas durchzogene Image, dass die PTT in der Öffentlichkeit geniessen. Bei «rocking chair» gibt’s tatsächlich «value for money». Besonders in Hinblick auf das erste Stück «The night train» würde ich, PTT-kontrastierend, meinen: Hier donnert der Rio Grande del Norte-Express durch die Nacht, dass die Funken nur so stieben, und der unerbittliche Drive, den Drummer Res Schmocker konsequent durchzieht, lässt das rot-silbrig zischend-rasende Getümmel von Gestänge und Räderwerk unterscheiden, das die Brachialgewalt der Dampfmaschine den Schienen aufzwingt und für mächtigen Vortrieb sorgt. Es muss eine rauchende Lokomotive sein, wie Oliver Martins Stimme suggeriert. Chaplins Bilder der «Modern Times» finden ihr musikalisches Äquivalent, während der unaufhaltsame Zug über die Weichen rattert. Das Ziel bleibt unklar, wichtiger als das «Hin zu etwas» scheint das «Fort von etwas». Die Bremer Stadtmusikanten on tour. Ein eidgenössisches Jugend-Syndrom. Hier ist alles so furchtbar eng(stirnig)? Eben: «Stirn» ist sehr präzise und zeigt den Weg – jede(r) hat doch eine eigene Stirn bekommen, um sie sich genau so weit zu machen, wie es ihr oder ihm beliebt!

Um mit dem Fazit von Rockin’ Chairs 1. CD zu beginnen: Diese Mischung überzeugt und überragt als eigenständige Produktion wie ein Monolith den faden Einheitsbrei des main stream, mit dem z.B. DRS 3 nach wie vor die eidgenössische Landschaft betröpfelt, gnadenlos monotonisiert durch einen nervtötend jingelnd hirnwaschenden Sprecher, dessen phonetische Alpin-Darbietungen einem Viehauftrieb alle Ehre machen würden. Immerhin. Vielleicht gibt’s dadurch wenigstens mehr Milch, die ja gesund sein soll. Ich trinke keine.

«rockin’ chair» dagegen machen keine «Mußick» wie der seichte Kommerzrundfunk, covern auch nicht ohne Sinn und Verstand andere, sondern zeigen Anklänge an Vorbilder dort, wo es der eigenständigen Überzeugung von Rock adäquat ist; insofern sind die vielerorts strapazierten Vergleiche mit «Deep Purple», «Jethro Tull» etc. zugleich richtig und zugleich falsch. Phänotypisch richtig und genotypisch falsch.

Es ist eine überaus bemerkenswerte Palette musikalischer und textlicher Qualitäten, die «rockin’ chair» mit ihrem «have a seat» vorlegen. Darf man darauf hoffen, von dieser Aargauer Formation noch mehr solch gediegener Qualitätsmöbel angeboten zu bekommen?

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